Wer in Essen ein kleines Wohnzimmerkino sucht, stolpert früher oder später über die Galeria Cinema. Dieses Filmkunsttheater befindet sich in Rüttenscheid in einer ehemaligen Souterrain-Wohnung und wurde in den 70er-Jahren liebevoll mit echter Kino-Atmosphäre ausgestattet. Vor allem Programmkino, modern wie klassisch und von Betreiberin Marianne Menze handverlesen, wird in dem rund 40 Besucher fassenden Vorführraum präsentiert.
Gerade die intime Atmosphäre macht den Charme aus. Gemeinsam wartet man vor der Tür bis diese sich öffnet, denn wer klopft stört das Publikum des vorhergehenden Films. Bei Eintritt steht man sofort im Kinoraum der selbstverständlich mit den roten Klappsesseln aufwartet. Zusätzlich findet sich hier auch eine alte Orgel, die alte Stummfilmzeiten wach werden lässt. Die 7 Euro pro Person (Montag ist Kinotag: 6€) werden vom Filmvorführer nach der Werbung direkt am Platz kassiert. Hier erkennt man auch die wiederkehrenden Gäste, die nicht zu Beginn die Kasse in der Küche suchen!
Zum Charakter des Kinos gehört nicht nur die Uni-Sex Toilette im alten Badezimmer (inklusive Badewanne) sondern auch der Verkauf der Getränke (z.B. 0,5l Bier/2,50€) und Snacks (Achtung Originalzitat: “MM, Schnicker und das ganze Programm” Anm.d.R.: Sensationell!!!) mit altem Schaffnerwechselgeldspender und die alten 35mm Projektoren. Das beim wechseln der Rollen mal eine Panne passiert und die Leinwand naturgemäß etwas klein ist, verstärkt nur das ursprüngliche Kinoerlebnis und sollte niemanden stören. Der persönliche Kontakt zwischen Publikum und Filmvorführer begeistert immer wieder!
Highlight: Seit 1975 läuft in der Galeria “Harald und Maude” jeden Sonntag um 17 Uhr im Original mit Untertiteln. Filmvorführer Lutz Felgner verriet mir, dass die Kopie in dieser Form seinerzeit extra für die Galeria erstellt wurde. Ansonsten wechseln die Filme in der Regel wöchentlich.
Zu bemerken bleibt, dass es so gut wie keine Parkmöglichkeiten gibt. Wer mit dem Auto anreist, sollte in den umliegenden Straßen nach Parklücken suchen, wird aber in der Regel Pech haben. Es macht aber sicherlich mehr Sinn mit dem ÖPNV zur Haltestelle Martinstraße zu fahren und die letzten Meter zu Fuß zu bewältigen. So kann man nach dem Film auch noch ohne schlechtes Gewissen einen Drink in einer der vielen Rüttenscheider Etablissements genießen.
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